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Wohnen & Unterstützungssettings

In den letzten Jahren hat sich ein breites Spektrum unterschiedlicher Wohn- und Betreuungsformen für Menschen mit Demenz entwickelt. Die traditionelle Versorgung in einer Pflegeeinrichtung wurde zunehmend differenziert (z.B. Demenzwohngruppen, Pflegeoasen). Als Alternative zur stationären Versorgung wurde das Konzept der ambulant betreuten Wohngemeinschaften entwickelt. Für den Bereich des privaten Wohnens werden Möglichkeiten einer demenzspezifischen Wohnungsanpassung und technischer Unterstützung ausgelotet.

Unabhängig von der Wohn- oder Versorgungsform gilt es zu beachten, dass bei abnehmenden Kompetenzen und Fähigkeiten der Einfluss zunimmt, den Umweltfaktoren auf das Verhalten und Befinden haben. Für Personen mit einer Demenz gilt diese Annahme im Besonderen. Sie sind aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen sehr verwundbar und können in hohem Maße durch Umweltbedingungen beeinflusst werden. Es ist anzunehmen, dass viele der in Heimen beobachtbaren emotionalen Störungen und Verhaltensprobleme wie Angst, Unruhe, Aggressivität etc. durch Umwelteinflüsse mit verursacht werden.

Bei allen Wohnformen und Versorgungssettings geht es darum, ein Milieu zu schaffen, das Einschränkungen in der Umweltkompetenz wie z.B. Probleme bei der Orientierung oder Wahrnehmung soweit als möglich auffängt, das Verhalten und Befinden durch eine milieutherapeutische Gestaltung positiv beeinflusst und bei Heimunterbringung die negativen Auswirkungen eines institutionellen Milieus durch eine alltagsnahe Gestaltung mildert. Ziel ist es, ein therapeutisches Milieu zu bieten, dessen bauliche, soziale und organisatorische Merkmale auf die spezifischen Bedürfnisse und Situationen von Menschen mit Demenz abgestimmt sind, um ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität zu erreichen. Für ältere Menschen relevante Milieudimensionen sind nach Lawton et al.:


  • Unterstützung von Wahrnehmung und Orientierung
  • Vermittlung von Sicherheit und Geborgenheit
  • Kompetenzerhaltung durch Handlungsmöglichkeiten
  • Anregungen, aber keine Überstimulation
  • Ermöglichen von Autonomie und Kontrolle
  • Gelegenheit zu Privatheit und sozialer Interaktion
  • Bezug zum bisherigen Lebenszusammenhang, Erleben von Kontinuität

Es ist die Aufgabe von Beratung, Betroffene und ihre „Kümmerer“ bei der Auswahl des jeweils passenden Wohn- und Versorgungssettings informierend zu unterstützen. Die Umsetzung dieser zentralen Versorgungsaufgabe setzt voraus, dass angemessene Qualitäts- und Beurteilungskriterien vorliegen.