Philosophie

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Unser Leitbild

1. Wie wir DEMENZ sehen:

Demenz ist Begleiterscheinung einer älter werdenden Gesellschaft. Ein Teil der Älteren und Alten muss sich auf körperliche und geistige Beeinträchtigungen in dieser Lebensphase einstellen.

  • Wir gehen davon aus, dass in einem Leben mit Demenz Wohlbefinden prinzipiell möglich ist. Dies gilt sowohl für die unmittelbar Betroffenen als auch für diejenigen, die sie unterstützen und Sorgeverantwortung tragen.
  • Wir meinen: Demenz geht alle an! Hier sind die ganze Gesellschaft und all ihre Mitglieder gefragt, nicht nur spezielle Professionen und Disziplinen.
  • Wir sagen: Demenz hat viele Gesichter! Hinter dem Sammelbegriff verbirgt sich ein breites Spektrum verschiedenartiger Befindlichkeiten, Ursachen und Grade insbesondere auch an psychischen Beeinträchtigungen.
  • Demenz ist eine soziale und kulturelle Herausforderung für die Gesellschaft. Selbstverständlich brauchen Menschen mit Demenz eine gute pflegerische und medizinische Versorgung. Aber sie benötigen mehr als das: ein soziales Umfeld, in dem sie willkommen sind und selbstverständlich dazugehören.
  • Ausgangspunkt des Denkens und Handelns unserer Organisation ist ein Menschenbild, das Personsein und Würde eines jeden Menschen achtet und anerkennt – unabhängig davon, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei einem Menschen vorhanden sind.

2. Woran wir uns orientieren

Mit unserer Arbeit wollen wir das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz und das ihrer Begleiter fördern. Darüber hinaus unterstützen wir alle Anstrengungen dafür, dass ein gutes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Demenz in unserer Gesellschaft gelingen kann.
Handlungsleitend für unsere Arbeit sind:

  • Lebensqualität
  • Selbstbestimmung
  • Teilhabe

Lebensqualität

Wesentlicher Orientierungspunkt ist für uns das Wohlbefinden derjenigen, die mit einer Demenz leben. Als Gradmesser für Wohlbefinden dient die Lebensqualität.

  • Lebensqualität ist ein komplexes, offenes Konzept. Es beschreibt die Vermittlungsprozesse zwischen objektiven Lebensbedingungen und subjektiven Bedürfnislagen Es sind nicht notwendigerweise die objektiven Lebensbedingungen, die über die Ausprägung des subjektiven Wohlbefindens entscheiden. Entscheidend ist, wie ein Mensch diese Lebensbedingungen erlebt.
  • Um ein besseres Leben mit Demenz – und damit mehr Wohlbefinden für die Betroffenen – zu erreichen, müssen wir den Blick auch auf die Wechselwirkungen zwischen Person und Umfeld und auf die objektiven Lebensbedingungen richten. Ein Umfeld, das Menschen mit Demenz mit Ablehnung, Ausgrenzung und Stigmatisierung begegnet, kann für diejenigen, die mit demenziellen Veränderungen leben, nicht förderlich sein.
  • Wohlbefinden setzt voraus, dass Bedürfnisse befriedigt werden können. Menschen mit Demenz brauchen oftmals Unterstützung bei der Erfüllung ihrer Bedürfnisse. Lebensqualität ist ein wichtiger Gradmesser dafür, inwieweit es gelingt, diese Hilfestellung tatsächlich zu geben.
  • Unsere Anstrengungen, das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz zu verbessern, schließen auch diejenigen ein, die Menschen mit Demenz begleiten.
  • Wohlbefinden steht in direktem Zusammenhang mit der Möglichkeit, selbstbestimmt leben und am Leben der Gemeinschaft teilhaben, aber auch etwas einbringen zu können (Teilgabe).

Selbstbestimmung

Selbstbestimmung heißt, nach dem eigenen Willen über sein Leben entscheiden zu können. Selbstbestimmung ist ein universelles, allen Menschen zustehendes Recht.

  • Selbstbestimmung bedeutet, Gestaltungsmacht über das eigene Leben zu haben und hierbei nicht fremdbestimmt zu werden.
  • Weil Menschen soziale Wesen und aufeinander verwiesen sind, ist Selbstbestimmung nicht absolut, sondern relational. Deshalb muss das gesellschaftlich vorherrschende Verständnis von Selbstbestimmung korrigiert werden: Selbstbestimmung ist grundsätzlich als Selbstbestimmung in Abhängigkeit zu verstehen.
  • Selbstbestimmung ist nach unserem Verständnis ein wichtiger Aspekt für Lebensqualität, Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden.
  • Wir machen uns stark dafür, dass jeder Mensch, unabhängig von bestehenden Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einschränkungen, die Möglichkeit erhält, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Teilhabe

Teilhabe stellt ein universelles Menschenrecht dar, das u.a. auch in der Internationalen Behindertenrechtskonvention normativ verankert ist.


Teilhabe bedeutet, Teil eines sozialen Geflechts zu sein und sich den eigenen Bedürfnissen entsprechend in gesellschaftliche Lebensbereiche einbringen zu können bzw. in diese einbezogen zu werden. Zu diesen zählen:

- zwischenmenschliche Interaktionen und soziale Beziehungen
- Mobilität
- ein persönliches Leben und die Möglichkeit der Sorge für sich selbst
- sinnvolles Tun gemäß der eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten
- die Möglichkeit von Bildung im Sinne der Weiterentwicklung, des Erhalts bzw. der Unterstützung vorhandener Fähigkeiten
- das soziale, kulturelle, wirtschaftliche, gemeinschaftsbezogene und staatsbürgerliche Leben.

  • Wir treten dafür ein, die Möglichkeiten zu schaffen, damit Menschen mit Demenz in diesem Sinne am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und sämtliche Barrieren zu beseitigen, die einer Teilhabe im Wege stehen.
  • Teilhabe ist stets auch Teilgabe: Menschen mit Demenz können einen Beitrag leisten für das Gemeinwesen leisten und tun dies auch. Sie sind nicht auf die Rolle der Empfangenden reduziert, sondern auch in der Rolle der Gebenden beteiligt und zu beteiligen.
  • Wir sehen uns mit anderen in der Pflicht, darauf zu achten, dass Menschen mit Demenz nicht an den Rand gedrängt werden, sondern Teil des sozialen Miteinanders sind und bleiben.

3. Wie wir unsere Rolle sehen und wie wir arbeiten

Um unsere Ziele zu erreichen positionieren wir uns an einer zentralen Nahtstelle: zwischen Wissenschaft und Praxis.

Wir wollen zu einem kontinuierlichen Austausch beitragen und diesen systematisieren und verstetigen. Wir verstehen uns als Mittler zwischen verschiedenen Fachrichtungen und Perspektiven. Das heißt: Genau hinschauen, Entwicklungen im Auge behalten, Erfahrungen auswerten, Prozesse, Diskussion und Austausch anstoßen, auch unumstößliche Gewissheiten hinterfragen. Und: „Quer denken! Das ist unser Beitrag zur Verbesserung des Wohlbefindens von Menschen mit Demenz und derjenigen, die sie begleiten.

Unsere Kernaufgaben:

  • Wir werten den aktuellen internationalen Wissens- und Forschungstand zu Fragen der Demenz aus und bereiten die Ergebnisse zielgruppengerecht auf.
  • Wir engagieren uns im Rahmen von Projekten im Bereich Praxisforschung, Evaluation und Prozessbegleitung. Hierbei spielen Kooperationen mit anderen Partnern eine wichtige Rolle.
  • Wir informieren und sensibilisieren mit unterschiedlichen Aktionen und Veranstaltungen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, Menschen mit Demenz aktiv einbeziehen und auf möglichst viel Interaktivität mit den Teilnehmenden abzielen.
  • Wir setzen Wissen in eine Bandbreite von Print- und andere Medienerzeugnisse um. Hierzu zählen Fach- und Praxisbücher, Artikel in Fachzeitschriften, Print- und Onlinemagazine, Filme u.a.
  • Wir mischen uns in die öffentliche Auseinandersetzung und in die Fachdiskussion ein. Wir suchen das Gespräch und die Auseinandersetzung mit politischen Vertretern und anderen gesellschaftlichen Akteuren. Oftmals übernehmen wir eine moderierende Rolle.
  • Wir beraten und begleiten Personen, Institutionen, Initiativen und Kommunen.

4. Wie wir unsere Stärken sehen

  • Demenz Support Stuttgart gGmbH ist eine politisch und weltanschaulich neutrale Organisation.
  • Wir sprechen sowohl die Sprache der Praxis als auch die der Wissenschaft. Dies ermöglicht es uns, zwischen beiden Bereichen Verbindungen und eine produktive Zusammenarbeit zu initiieren und zu stärken.


Unser Team ist multiprofessionell aufgestellt. Das Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlichen Fachkräften aus den Bereichen der Pflege(-wissenschaft) und der Sozialen Arbeit, der Pädagogik und Psychologie, der Haushalts- und Ernährungswissenschaft, der Architektur sowie der Kultur- und Medienwissenschaften ermöglicht eine multiperspektivische Herangehensweise an Fragestellungen. Das Know-how des Teams wird durch ein Kuratorium renommierter Experten erweitert.

  • Wir sind nicht auf professionell-berufliche Zugänge reduziert. Zum Team der Demenz Support Stuttgart zählt auch ein Beraterkreis. In diesem sind ausschließlich Menschen mit Demenz tätig, die den Diskurs sowie unsere Arbeit mitgestalten.
  • Durch eine Grundfinanzierung als Tochter der Erich und Liselotte Gradmann-Stiftung sind wir unabhängig von den Interessen von Verbänden und Einrichtungen. Dies gibt uns das Privileg, kritische Fragen zu stellen, quer zu denken, Themen jenseits des Mainstreams aufzugreifen und damit wichtige Impulse für Entwicklungen im Sinne unseres Selbstverständnisses und unserer Zielsetzung zu geben.