Sich artikulieren

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Vita activa, das tätige Leben:

Das ist, Aristoteles zufolge, nicht etwa das Arbeiten, sondern vielmehr die Teilhabe am Gemeinwesen. Dieses „sich sprechend und handelnd in die Welt einbringen“ (Hannah Arendt), das sich Artikulieren und mit seiner Mitwelt in Kontakt treten, muss sich nicht zwingend der Worte und der Sprache bedienen, sondern kann auch andere Möglichkeiten der menschlichen Kommunikation nutzen – etwa das Malen oder den Ausdruck mit Hilfe von Lauten und Musik.


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„Sich artikulieren“ stellte vor, wie Menschen mit einer beginnenden Demenz insbesondere das Wort – mit seinen vieldimensionalen Qualitäten – nutzen, um sich Ausdruck gebend in Kontakt mit der Welt zu treten. Bei Edith Bussmann war im vergangenen Jahr eine Demenz festgestellt worden. Den Schock der Diagnose allmählich überwindend besann sich die 82jährige Stuttgarterin, durch ein Gespräch ermutigt, auf eine alte Leidenschaft: die Lyrik bzw. das Dichten. Für das aufmerksame VIELSTIMMIG-Publikum rezitierte sie drei ihrer Werke: ein vor Jahren entstandenes sowie zwei nach der Diagnosestellung geschaffene Gedichte.


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Auch "handfestere" Möglichkeiten der Artikulation wurden vorgestellt. Michael Ganß, seit vielen Jahren im künstlerischen Arbeiten mit Menschen mit Demenz erfahren, berichtete über ein bislang wohl einmaliges Bildhauerprojekt. Mitglieder des Vereins „Leben mit Demenz“ legten Hand an und begannen damit, die an den Giebeln der Mindener St. Marienkirche verschwundenen Kreuzblumen neu zu bildhauern. Die erste von insgesamt sechs Kreuzblumen konnte der Kirchengemeinde am 25. September letzten Jahres in einem feierlichen Akt präsentiert werden. Kommentar eines Beteiligten, kurz von der Arbeit aufblickend: "Was wird das für ein tolles Gefühl sein, wenn meine Kreuzblume oben auf der Kirche steht, mitten in der Gemeinde. Da bin ich heute schon stolz auf mich."


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Nach Kostproben aus den Büchern von Christian Zimmermann und Helga Rohra sprach Sylvia Kern mit den am Entwicklungs- und Produktionsprozess der beiden Bücher unmittelbar Beteiligten. Helga Rohra und ihr „Schreib-Assistent“ Falko Piest sowie Peter Wißmann als Gesprächspartner und mit dem Niederschreiben Beauftragter im Team Zimmermann/Wißmann standen zum Konzept des „Unterstützten Schreibens“ Rede und Antwort. Gabriele Kreutzner warb anschließend dafür, sich für eine Umsetzung der Idee von „Hello Dinners“ zu erwärmen. Der US-amerikanische Demenz-Aktivist Richard Taylor sieht dies als eine Frühbetroffenen offenstehende Form der Hilfe zur Selbsthilfe. Mit ihr können sie hier und heute damit beginnen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und ganz unmittelbar zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz beizutragen.


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Ein Highlight zu guter letzt:

Anlässlich von "VIELSTIMMIG! Aktiv und selbstbestimmt mit Demenz" stellte Ingo Lazi von der Lazi-Akademie in Esslingen das Preview eines zusammen mit den Veranstaltern begonnenen Kunstprojekts von Menschen mit und ohne Demenz vor. Eine Mini-Kostprobe haben wir oben eingestellt! Verraten sei hier noch die Experimentalanordnung dieses Unternehmens: Menschen kommen zusammen, um mit Hilfe von Lauten, Geräuschen und Instrumenten in Kommunikation zu treten. Das Ganze wird filmisch begleitet und soll am Ende zu einem Filmkunstwerk zusammengefügt werden. An dieser Stelle unser Dank an Ingo Lazi und sein Team, die den Preview mit ebensoviel Engagement wie investierten Arbeitsstunden ermöglicht haben.


Prgrammsequenz "Sich artikulieren" bei der Veranstaltung "VIELSTIMMIG! Aktiv und selbstbestimmt mit Demenz" | Demenz Support Stuttgart Zentrum für Informationstransfer